Lastmanagement erklärt: Statisch vs. Dynamisch

Wann Lastmanagement nötig ist und was es kostet.

Lastmanagement ist ein Wort, das beim Thema Wallbox in Mehrparteienhäusern ständig fällt. Aber was bedeutet es eigentlich? In einfachen Worten: Es verteilt die verfügbare Stromkapazität intelligent auf mehrere Wallboxen, damit der Hausanschluss nicht überlastet wird.

Ob du ein Lastmanagement brauchst, welche Variante sinnvoll ist und was es kostet — das klären wir in diesem Ratgeber. Weitere Informationen zur Wallbox-Installation im Mehrparteienhaus findest du in unserem ETW-Komplett-Guide.

Dynamisches Lastmanagement in der Tiefgarage — 4 Wallboxen mit intelligenter Stromverteilung

Warum braucht man Lastmanagement?

Ein Hausanschluss hat eine begrenzte Kapazität — typischerweise 63 Ampere (ca. 43 kW) in einem Mehrparteienhaus. Dieses Budget muss für alles reichen: Wohnungen, Aufzug, Beleuchtung, Allgemeinverbrauch — und jetzt auch noch Wallboxen.

Rechenbeispiel: Warum es ohne nicht geht

1 Hausanschluss: 63A = ca. 43 kW
2 Normaler Hausverbrauch: ca. 15 kW (Wohnungen, Aufzug, Licht)
3 Verbleibend für Wallboxen: ca. 28 kW
4 5 Wallboxen à 11 kW ohne Lastmanagement: 55 kW — fast doppelt so viel!

Ohne Lastmanagement fliegt bei gleichzeitigem Laden die Hauptsicherung. Mit Lastmanagement werden die 28 kW intelligent auf alle Wallboxen verteilt — jede bekommt 5,6 kW statt 11 kW, aber alle laden.

Statisches Lastmanagement

Beim statischen Lastmanagement wird die verfügbare Leistung fest aufgeteilt. Jede Wallbox bekommt ein gleich großes „Stück vom Kuchen" — unabhängig davon, ob alle gleichzeitig laden oder nicht.

So funktioniert's

Beispiel: 30 kW sind für Wallboxen reserviert, 5 Wallboxen sind installiert. Jede Wallbox bekommt fix 6 kW zugewiesen — egal ob 1 oder 5 Autos gleichzeitig laden.

  • Günstig: Oft schon in der Wallbox integriert oder per einfache Konfiguration möglich
  • Einfach: Keine zusätzliche Hardware nötig
  • Zuverlässig: Weniger Fehlerquellen, keine Internetverbindung nötig
  • Nachteil: Jede Wallbox bekommt gleich viel — auch wenn nur eine lädt. Die verfügbare Kapazität wird nicht optimal genutzt.

Dynamisches Lastmanagement

Beim dynamischen Lastmanagement wird die Leistung intelligent und in Echtzeit verteilt. Ein Energiemanager misst den aktuellen Hausverbrauch und gibt den Rest an die Wallboxen — je nach Bedarf.

So funktioniert's

Ein Messwandler am Hausanschluss erfasst den aktuellen Gesamtverbrauch. Der Energiemanager berechnet in Echtzeit, wie viel Kapazität für die Wallboxen übrig ist, und verteilt diese dynamisch:

  • Wenn nur ein Auto lädt, bekommt es die volle verfügbare Leistung (z.B. 11 kW)
  • Wenn 5 Autos gleichzeitig laden, wird die Leistung fair aufgeteilt
  • Der Hausverbrauch wird berücksichtigt: Wenn abends viel gekocht wird, laden die Wallboxen kurz langsamer
  • PV-Überschuss kann gezielt zum Laden genutzt werden

Was braucht man dafür?

  • - Energiemanager: Das Gehirn des Systems (z.B. KEBA KeEnergy, ABL eMH3, Smartfox) — €500–€2.000
  • - Messwandler: Wird am Hausanschluss installiert — €100–€300
  • - Kompatible Wallboxen: Müssen OCPP oder Modbus unterstützen (gemäß OVE-Normen)
  • - Netzwerkverbindung: Die Wallboxen müssen mit dem Energiemanager kommunizieren (LAN, WLAN oder Modbus-Kabel)

Vergleich: Statisch vs. Dynamisch

Eigenschaft Statisch Dynamisch
Kosten In Wallbox integriert €500–€2.000 extra
Ladeleistung pro LP Fest (niedrig) Flexibel (optimal)
Sinnvoll ab 2 Ladepunkten 3+ Ladepunkten
Hausverbrauch berücksichtigt Nein Ja
PV-Überschuss nutzbar Nein Ja
Zusätzliche Hardware Keine Energiemanager + Messwandler

Unsere Empfehlung

2 Wallboxen → Statisch reicht

Bei nur 2 Ladepunkten ist statisches Lastmanagement meistens ausreichend. Die Leistung wird halbiert (je 5,5 kW bei 11 kW Wallboxen) — das reicht für die nächtliche Ladung locker aus. Kostenvorteil: keine zusätzliche Hardware nötig.

3+ Wallboxen → Dynamisch investiert sich schnell zurück

Ab 3 Ladepunkten lohnt sich dynamisches Lastmanagement fast immer. Der Vorteil: Wenn abends nur 1–2 Autos laden, bekommen sie die volle Leistung statt eines Drittels. Das spart Ladezeit und macht die Wallbox im Alltag deutlich praktikabler. Außerdem: PV-Überschuss intelligent nutzen und den Hausverbrauch berücksichtigen — das gibt's nur mit dynamischem Lastmanagement.

Weiterführende Informationen

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Häufig gestellte Fragen

Ab wie vielen Wallboxen brauche ich ein Lastmanagement?

Ab 2 Wallboxen am gleichen Hausanschluss ist ein Lastmanagement empfehlenswert, ab 3 Wallboxen in den meisten Fällen Pflicht. Der Netzbetreiber kann ein Lastmanagement auch schon bei 2 Wallboxen vorschreiben, wenn der Hausanschluss knapp dimensioniert ist.

Welche Wallboxen sind lastmanagement-fähig?

Die meisten modernen Wallboxen unterstützen Lastmanagement — aber nicht alle. Achte auf die Schnittstellen OCPP (offener Standard) oder Modbus. Beliebte Modelle mit guter Lastmanagement-Unterstützung: KEBA KeContact P30, go-e Charger Gemini, Fronius Wattpilot. Kläre die Kompatibilität vor dem Kauf mit deinem Elektriker.

Was kostet dynamisches Lastmanagement?

Der Energiemanager (z.B. von KEBA, ABL oder Smartfox) kostet €500–€2.000, je nach Funktionsumfang und Anzahl der Ladepunkte. Dazu kommen Einbau und Konfiguration (€200–€500). Bei einer Gemeinschaftsanlage werden die Kosten unter den teilnehmenden Eigentümern aufgeteilt.

Kann ich mein Lastmanagement mit einer PV-Anlage kombinieren?

Ja, das ist sogar besonders sinnvoll. Ein dynamisches Lastmanagement kann den PV-Überschuss erkennen und gezielt zum Laden nutzen. So lädst du dein E-Auto mit eigenem Sonnenstrom — das senkt die Stromkosten erheblich. Voraussetzung: Das Lastmanagement muss mit der PV-Anlage kommunizieren können.

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